Junkers Jumo 210 G

Junkers Jumo 210 G

"Die Entwicklung der Junkers-Benzinflugmotoren reicht zurück bis in das Jahr 1916. Damals wurde der erste Benzin-Versuchsleichtmotor Fo 2 mit Benzineinspritzung durch offene Düsen gebaut. Der Motor war anfangs als Schwerölflugmotor konstruiert worden und stellte eine Weiterentwicklung des ersten Gegenkolben-Leichtmotors Mo 3 aus dem Jahre 1914 dar. Bei letzterem handelte es sich um einen Versuchs-Schwerölmotor für Flugzeuge, mit dem vielseitige Untersuchungen zur Sammlung von Erfahrungen unternommen wurden. Während der Fertigstellung des Fo 2 benötigte die Kriegsmarine dringend einen derartigen Motor für neue Schnellboote. Da eine einwandfreie Zerstäubung und Entzündung von Gasöl in so kurzer Entwicklungszeit beim Fo 2 aber nicht zu erreichen war, wurde er zum Benzinmotor mit Benzineinspritzung umgebaut. Er besaß bereits einen Lader zur Spülluft, einer für das Jahr 1916 grundlegend neuen Anordnung. Durch den Fo 2 war der erste Einspritzmotor geschaffen worden. Nach Kriegsende versprachen infolge der Baubeschränkungen vorerst nur Motoren geringer PS-Stärke Absatzerfolg. Im Zuge dieser zwangsweisen Entwicklung wurde bei Junkers der L 1 entworfen, der 80 PS leistete. Es handelte sich hierbei um einen Reihenmotor mit Luftkühlung, der für den Kühlluftstrom ein Gebläse und sonst die übliche Vergaseranordnung besaß. Die Entwicklung ging weiter über den L 2, einen 6-Zylinder wassergekühlten Standmotor mit einer Leistung von 230 PS, zum L 5 ähnlicher Bauart, der 375/410 PS leistete und sich hervorragend bewährte. Mit dem Motor konnten verschiedene Weltrekorde erflogen werden. Von seitens der Verkehrsluftfahrt wurden aber bald Wünsche nach einem wesentlich stärkeren Motor laut. Zudem dachte man an die großen Zukunftsmöglichkeiten, die sich aus dem Höhenflug für den Luftverkehr ergaben. Diese Fragen machten eine Erforschung der Verhältnisse in größeren Höhen notwendig. Es mußte folglich ein Motor geschaffen werden, der für Höhenflüge geeignet war und mit den Nutzlasten über große Hindernisse, wie Hochgebirge, im Flugzeug verkehrsmäßig befördert werden konnten. Um diesem Bedarf nachzukommen, reihte man nach Lockerung der Baubestimmungen im Jahre 1926, die den Bau stärkerer Motoren in Deutschland wieder zuließen, bei Junkers zwei L 5-Motoren aneinander und entwickelte daraus den L 88, der mit einstufigem Schleuderlader und stufenlos arbeitender Regler-Kupplung ausgerüstet wurde. Bei den geringen damals zur Verfügung stehenden Mitteln, die kostspielige Versuche nicht zuließen, erschien es zweckdienlich, durch Aneinanderreihung zweier bewährter Motoren zu einer Verdopplung der Leistungsstärke zu kommen. Der L 88 diente zuerst als Triebwerk für das bekannte Junkers-Höhenflugzeug Ju 49 und wurde später in die G 38 eingebaut. Er leistete 800 PS. Die Laderkonstruktion stellte damals erhebliche Anforderungen an die Materialforschung und die Fertigung. Es wurden bereits Laderdrehzahlen von 223000 U/min. erreicht. Die nächste Entwicklungsstufe auf dem Wege zum 1000-PS-Motor war der 12-Zylinder-Viertakt-Zweireihenmotor Jumo 210 mit in V-Form hängenden Zylindern, der 1937 entstand und 700 PS leistete. Er genügte damals bereits allen Anforderungen, die an ein Hochleistungstriebwerk gestellt werden und war mit Höhenlader mit automatischem Schaltgetriebe, mit automatischem Ladedruckregler und einem Hochdruckkühlkreislauf mit Dampfluftabscheidern ausgerüstet. Der Motor wurde in zahlreiche Flugzeugbaumuster der Luftwaffe, und zwar sowohl in Bomber als auch in Jagdflugzeuge, eingebaut. Das Endglied dieser Entwicklung bildet der Hochleistungsmotor Jumo 211, der nunmehr 25jährige Erfahrung im Benzin-Motorenbau bei Junkers in sich vereinigt. Zahlreiche Einrichtungen an diesem Motor sind die Ergebnisse neuester Forschung und machen das Triebwerk zu einem der leistungsfähigsten Motoren seiner Art.Die Firma Junkers hatte schon einige Jahre zuvor Erfahrungen mit der Einspritzung von Benzin im Versuchsleichtmotor Fo-2 gemacht. Mit dem Junkers Jumo 210 begann Junkers mit der Benzindirekteinspritzung."

Quelle: Der Weg zum Hochleistungsmotor Jumo 211 von Wolfgang Wagner, Zeitschrift Flugzeugbau 11.1941